Warum die Welt nicht untergehen wird

Montag, Dezember 17th, 2012

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Weltuntergangsprophezeiungen haben Tradition. Schon in der Bibel tauchen sie auf, denken wir nur an die Sintflut, die Zerstörung der Städte Sodom und Gomorra durch Feuer und Schwefel oder die sieben Plagen in der Offenbarung des Johannes im Neuen Testament. Jede Zeit hat ihre Ängste. Brachten im Mittelalter die «erschröcklichen Kometen» Unheil, so sind es heute fiktive Himmelsobjekte wie Nibiru oder Planet X, von denen Gefahr ausgehen soll.
Auf Internetseiten wird vor einem gefährlichen «Synchronisationsstrahl», ein Begriff, den es wissenschaftlich gar nicht gibt, von einem «Bewusstseinssprung» oder noch schlimmer vor einem «Gravitationskollaps» gewarnt. Interessant ist zu wissen, dass es seit der Geburt Christi schon gut 120 Weltuntergangsprophezeiungen gab, 90 Prozent davon zwischen 1970 und heute. Schauen wir uns einmal all die verschiedenen Hirngespinste rund um den 21.12.2012 einmal genauer an:


Der Maya-Kalender endet nicht

In der ganzen Hysterie um den angeblichen Weltuntergang 2012 bedenken viele Zeitgenossen nicht, dass die moderne Astronomie mit Fakten so manches belegen und widerlegen kann. Weder werden am 21. Dezember 2012 alle Planeten auf einer Linie stehen, noch die Erdachse ins galaktische Zentrum zeigen. Auch ein Planet X oder Nibiru – sollten sie tatsächlich auf die Erde zurasen – wären schon vor Jahren selbst in Amateur-Teleskopen gesichtet worden. Und Sonnenstürme zu Zeiten eines relativ moderaten Sonnenaktivitätsmaximums sind nichts Aussergewöhnliches. Doch welche Rolle soll dabei dem Maya-Kalender in dieser ganzen Diskussion zukommen? Wahr ist, dass am 21. Dezember 2012 nach dem Maya-Kalender mit der Vollendung des 13. Baktun eine neue Epoche beginnt, vergleichbar unserer Jahrtausendwende vor zwölf Jahren. Wir erinnern uns, wie auch hier diffuse Ängste geschürt und der totale Absturz sämtlicher Computersysteme herbeigeschrieben wurden. Passiert ist absolut nichts.

Start des Kalenders ist rein willkürlich

Überhaupt muss man sich fragen, wie man von einem Kalender, einem künstlich von Menschen geschaffenen Zählsystem, dessen Nullpunkt willkürlich festgelegt wurde, zur vermeintlichen Apokalypse kommt. Jede Kultur hatte ihre eigenen Zählsysteme, die Ägypter, die Chinesen, die Inder. Und alle haben einen anderen Nullpunkt, auch unser christlicher Kalender. Das Jahr null gibt es nicht und Christus, zieht man die Jupiter-Saturn-Konjunktion als legendären «Stern von Bethlehem» herbei, müsste demnach bereits im Jahre 7 v. Chr. geboren worden sein. Selbst über den Beginn der «Langen Zählung» im Maya-Kalender gibt es keinen eindeutigen Anhaltspunkt. Im Moment geht man vom 11./13. August -3113 (nach dem gregorianischen Kalender) oder dem 8./10. September -3113 (nach dem julianischen Kalender), also im Jahre 3114 v. Chr. aus. Wie willkürlich Kalendersysteme angewandt werden, zeigen Kalenderreformen wie zur Zeit Papst Gregors XIII, als er 1582 auf den 4. Oktober gleich den 15. folgen liess, weil sich der astronomische Frühlingsanfang (damals 21. März) mangels regelmässigen Einfügens von Schalttagen bereits auf den 11. März verschoben hatte.

Planeten stehen nie in einer Linie

Am 21. Dezember 2012 werden die Planeten keine Reihe bilden, wie schon der Blick in ein astronomisches Simulationsprogramm bestätigt. Die Planeten umkreisen die Sonne in harmonischen Verhältnissen. So wäre es nicht einmal möglich, dass der Zwergplanet Pluto, angenommen, er würde in derselben Ebene wie Neptun wandern, jemals mit diesem zusammenstossen könnte. Von der Erde aus betrachtet, sind Planetenbegegnungen überdies keine Seltenheit. Jedes Jahr treffen sich zwei oder auch drei Mitglieder der Sonnenfamilie scheinbar am Himmel. Allerdings werden sie infolge der unterschiedlichen Bahnschrägen nie hintereinander zu stehen kommen. Wenn sich zwei Planeten gegenseitig bedecken würden, wäre dies ein «Jahrhundert-Ereignis». Eine Planetenaufreihung (von oben betrachtet), die aus den genannten Gründen nicht perfekt und die Position der Sonne in der Kette egal wäre, tritt in 340 Millionen Jahren einmal auf.

Nibiru – ein Hirngespinst von Weltuntergangs-Hysterikern

Die NASA soll 1983 mittels des Infrarot-Satellitenteleskops IRAS «Nibiru» entdeckt, nach Behauptungen von Weltuntergangspropheten, bis heute aber verschwiegen haben. Auch dies ist absurd, denn weltweit überwachen nicht nur NASA-Astronomen, sondern auch zahlreiche namhafte Amateure, unter ihnen etwa Markus Griesser von der Sternwarte Eschenberg in Winterthur, den Himmel. Sie alle hätten ein solches Objekt längst gesichtet. «Nibiru» bezeichnet eine babylonische Gottheit, mit der möglicherweise auch ein Stern oder Planet bezeichnet wurde. Nur ist heute nicht klar, welches Objekt diesen Namen trug. Der Begriff «Planet X» wird in der Wissenschaft für einen bislang noch nicht entdeckten Planeten verwendet und existiert seit dem 18. Jahrhundert.

Polsprünge und kippende Erdachse?

Das Magnetfeld hat sich erdgeschichtlich schon mehr als einmal umgepolt. Geologische Untersuchungen haben ergeben, dass dies rund alle 250 000 Jahre geschieht. Ein solcher «Polsprung» ist aber kein plötzliches Ereignis, sondern dauert bis einige tausend Jahre. Das Erdmagnetfeld schwächt sich dabei ab, was zu einem erhöhten Auftreffen kosmischer Strahlung auf der Erde führt. Auch das hat die Welt schon mehr als einmal überlebt. Die Erdachse steht bekanntlich um 23.5 Grad gekippt auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne und schlingert unter dem Einfluss von Sonne und Mond in knapp 26 000 Jahren wie ein Kreisel. Momentan zeigt die Erdachse knapp am Polarstern vorbei und ganz bestimmt nicht auf das galaktische Zentrum. Selbst ein Meteoriteneinschlag wie der legendäre «Saurierkiller» am Ende des Kreidezeitalters konnte der leichten Schieflage der Erdachse nichts anhaben.

Was bleibt? Vernunft und gesunder Menschenverstand!

Was auch immer geschrieben, abgeschrieben oder behauptet wird: wir leben in einer Zeit, in der wenig hinterfragt wird. Es ist eine Erscheinung unserer schnelllebigen Zeit, dass viele Menschen nicht mehr selber denken, geschweige denn reflektieren. Nur so lässt sich erklären, dass sich im Internet unter «Weltuntergang 2012» aktuell fast 4 Millionen, unter «Nibiru 2012» 12 Millionen und unter «Planet X 2012» 479 Millionen Eintragungen finden lassen. Wer sich aber mit Sach- und gesundem Menschenverstand die zum Teil abenteuerlichen Schilderungen mit nicht existierenden wissenschaftlichen Fachbegriffen und abenteuerlichen Beweisfotos zu Gemüte führt, müsste ob deren Inhalt eigentlich erschrecken.

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2 Kommentare zu “Warum die Welt nicht untergehen wird

  1. puzzle sagt:

    Und was tun jetzt die Typen, die sich mal eben einen Ferrari gekauft haben in der Hoffnung, ihre Schulden eh nicht mehr bezahlen zu müssen? :mrgreen:

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