Germanwings-Absturz und die Verschwörer

Samstag, März 28th, 2015

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Muss jetzt doch etwas zu diesem Bild sagen. Es geistern zur Zeit so viele abstruse Verschwörungstheorien rum, dass einem schlecht wird über so viel Naivität und Dummheit mancher Menschen. So auch dieses Bild welches auch noch mit einem völlig hirnrissigen und schlecht geschriebenen Text eines angeblichen Experten mit 15 Jahren Berufserfahrung auf diesem Flugzeugtyp begleitet wird. Welcher übrigens, dank findiger User, als Fläschung entlarvt wurde und nicht nur von einem Menschen, sondern von einer ganzen Gruppe verfasst worden ist, die keinerlei Bezug zum Textinhalt haben, geschweige denn erwähnte 15 Jahre Berufserfahrung *lacht*.

First! Nehmen wir uns mal das sogenannte Beweisbild vor, welches ECHTE Abstürze aus grosser Höhe zeigen soll.
Gemäss Google Bildersuche sind ausnahmslos alle (ausser dem von Germanwings) keine vergleichbare Abstürze, sondern ausnahmslos Fehlstarts oder Fehllandungen auf Flughäfen!! Einfach bei Google mal bei der Bildersuche „Flugzeugabstürze“ eingeben und man sieht wie lügenhaft dieses Verschwörungsbild zusammengesetzt wurde! Denn hinter jedem Bild ist auch ein Bericht aus Zeitungen und offiziellen Fluguntersuchungseiten. Und es entlarvt leider wieder solche Menschen, die keine Fakten schaffen, sondern Irrglaube mit falschen Fakten streuen! Typisch für Verschwörungstheoretiker. Die Collage soll, je nachdem wo man die Beschreibung dazu liest, beweisen *giggel*, dass das Flugzeug entweder abgeschossen oder in der Luft explodiert ist. Nun ja… Ich enthalte mich mal einem Kommentar dazu. Denn die Faktenlage spricht ganz eifach und falsifizierbar dagegen. Denn auch da wären die Trümmerteile unterschiedlich. Nur ein direkter Aufprall auf eine feste Oberfläche erzeugt genug kinetische Energie um dieses Schadensbild zu erzeugen.

Aber der Reihe nach: Die Bilder der „abgestürzten“ Flieger:

Physikalisch wirken da unterschiedliche Kräfte auf die Flugzeuge, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Gemäss flightradar (API welche einige Flugdaten LIVE per Funk übermittelt und mit einfacher Technik empfangen und ausgewertet werden kann! Erklärung unten Siehe Stern *) schlug das Flugzeug mit einer Sinkrate von ca. 3000-3500 Fuss pro Minute mit, zuletzt gemessenen 378 Knoten (700 km/h !!!!) in das steile Gebirge auf. Da das Gebirge sehr steil war, war der Einschlagswinkel fast 90 Grad! Es prallte also im Verhältnis zur Bergwand senkrecht auf! Bei diesem Winkel und der Geschwindigkeit wirkt pro Quadratzentimeter eine fast unvorstellbare Kraft auf das Material. Kein Material der Welt übersteht solch einen Aufprall wie diesen vom Dienstag ohne praktisch komplett zerlegt zu werden. Nur äusserst kompakt, also massiv gebaute Teile, wie z.B. das Fahrwerk bleiben oft intakt. Der Rest wird völlig zerstört und ein grosser Teil bohrt sich auch in den Untergrund.

Kleine Physikstunde von mir:
Berechnen wir doch mal die Aufschlagskraft. Das ist ganz einfach.

Masse (m) des Airbus ca 80’000kg
Geschwindigkeit (v) ca 700km/h = 194.5 m/s

m = 80’000
v = 194.5

Die Formel ist einfach F (Kraft) = p (Impuls) / t (Zeit)

In diesem Fall ist t (die sogenannte Kontaktzeit) ganz klar kleiner als 1 Sekunde bei der Geschwindigkeit und der Länge des Flugzeuges.
also:

t < 1s

Um den Impuls auszurechnen: p = m ⋅ v

p = 80’000 ⋅ 194.5
= 15’560’000 kgm/s

Jetzt können wir die Kraft ausrechnen:

F = 15’560’000 / 0.5
= 31’120’000 N (Newton) !!!!!!!

Bei dieser extremen Kraft wird jedes Material praktisch pulversisiert! Vor allem Verbundswerkstoffe wie beim A320!

Ganz anders bei Bruchlandungen oder Fehlstarts. Bei Starts beträgt die Geschwindigkeit nur ca. 100-250kmh (je nach Flugzeuggrösse) und der „Aufprallwinkel“ ist immer extrem Flach. Somit verteilt sich auch der Druck auf eine viel grössere Fläche. Dass diese Fotos oben Fehlstarts oder Fehllandungen zeigen ist ganz einfach zu erkennen: Die Flügel sind noch dran! Banal aber erklärbar! Noch viel banalere Kräfte wirken bei den Fehllandungen, bei denen die Flugzeuge über den Pistenrand rasen. Da ist die Geschwindigkeit oft nur noch 90-120kmh.

Wäre der Flieger entweder in der Luft auseinandergebrochen oder explodiert (was flightradar ganz klar und absolut eindeutig widerlegt) wäre 1. das Trümmerfeld um viele Quadratkilometer grösser und 2. das Schadensbild anders. Denn eine Explosion verformt, bezw. zerstört Material anders als ein Aufprall.

Also: Das Bild zeigt ganz einfach falsche Tatsachen und ignoriert allgemein gültige physikalische Gesetzmässigkeiten.

Es ist einfach eine Verschwörungstherorie von vielen, welche aber weder empirische Fakten noch logische Schlussfolgerungen enthält. Im Gegenteil: Es werden Fotos verwendet, die KEINE Abstürze wie den der Germanwings zeigen! Man kann nicht Birnen mit Äpfeln vergleichen.

Genauso wie der Text eines scheinbaren Experten mit 15 Jahren Berufserfahrung. Er geistern schon seit Mittwoch durchs Netz. Ursprünglich war er aber gemäss History auf Reddit.com zu finden. und nicht nur ein Verfasser, sondern mehrere haben den Text geschrieben. Auch die Fakten sind falsch was das Sicherungssystem der Cockpittür betrifft. Airbus hat schon vor der Katastrophe ein Lernvideo inkl. Beschreibung des Systems auf ihrer Homepage welches dem zusammengebastelten Verschwörungstext ganz klar widerspricht! Denn der Co-Pilot hat sehr wohl die Möglichkeit die Tür auch nach Eingabe eines Codes zu sperren. Einfach indem er den Schalter auf „lock“ stellt. Alle paar Minuten kann der Eintrittswillige den Code erneut eingeben, der Copilot hat dann wiederum ca. 30 Sekunden Zeit den Lockschalter nocheinmal zu betätigen. Tut er dies nicht, öffnet sich die Tür. Der Copilot hat also die Möglichkeit alle vom Cockpit auszusperren! Wer das nachlesen will, darf gerne auf die Seite von Airbus surfen.

Es ist völlig normal, dass nach solchen schlimmen Ereignissen, Verschwörungstheorien wie Pilze aus dem Boden schiessen. Und leider zielen sie immer auf das, verständliche, Unwissen der Menschen ab. Oft wird mit pseudowissenschaftlichen Erklärungen (keine empirischen Fakten) um sich geworfen.

Denn es triffts immer wieder: Wer nichts weiss, muss alles glauben.
Aber dazu gehören sicherlich keine Verschwörungstheorien.

* Wie die meisten kommerziellen Airliner verfügte die A320 neben den beiden Aufzeichnungsgeräten auch über einen Flugdatentransponder, der ein so genanntes ADS-B-Signal ausgesendet hat.

In diesem Signal werden ständig Daten wie die Flugnummer, der Flugzeugtyp, die GPS-Position und GPS-Höhe sowie die Daten eines statischen Drucksensors gesendet. Diese Funksignale können noch in einer Entfernung von 150 bis 250 nautischen Meilen (250 bis 400 Kilometer) empfangen werden.

Die ADS-B-Signale werden von den Einrichtungen der Flugsicherung ausgewertet. Ein grosses Netzwerk aus 6000 ADS-B-Empfängern betreibt aber auch Flightradar24.com. Der Dienst verwendet die Daten für seine Smartphone- und Computer-Apps.

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